neu gegeben

Am Schlimmsten ist es immer jetzt. Das ist durchaus konkret und nicht philiosophisch gemeint. Kind ist ins Bett gebracht, im Bad hat man viel Demütigungen erlebt, weil das Kind nicht so recht macht, was man sagt. Während er eigentlich Zähne putzen soll, findet er immer irgendwas zum Spielen, das er dann spielt. Mit der Zahnbürste im Mund. Ich bekomme langsam den Verdacht, er möchte eigentlich gar nicht Zähne putzen. Ich bin schon milde, denn ich halte das mit den drei Minuten (oder sind es zwischenzeitlich fünf) für eine Erfindung der Zahnbürstenindustrie, aber selbst mein kindgerechtes Zahnputz-Zeitmanagement führt zu Disharmonie im Bad. Naja, dann ins Bett und was vorgelesen (gerade: Die Zwölf vom Dachboden, was gar nicht kindgerecht ist und irgendwas von Emily Bronte beinhaltet. Nebenbei gefragt: Kann man fast-7-Jährigen der Hobbit oder die Unendliche Geschichte vorlesen oder Harry Potter?). Wenn alles getan ist (… trinke dein Bier… hieß es mal in der Werbung), komme ich also ins Wohnzimmer und die Idee, jetzt endlich machen zu können, was ich will, sieht ihren Moment gekommen. Es ist wie wenn man beim Doppelkopf langsam die Karten entfaltet und man hat 4 Damen, mindestens eine Herzzehn, eine Farbe blank… dann schaut man aber ins Gesicht des Mitspielers und sieht schon, wie der die Neunen zählt und gleich schmeißt. Oder, für die Irren, die ohne Neunen spielen: Der Geber hat noch so eine Karte in der Hand und sagt so: Äh…“ Und sofort schmeißt jemand und ruft „vergeben!“ Dann wird neu gegeben und das Blatt besteht jetzt aus Tisch abräumen, Boden fegen, Unterricht vorbereiten, einen Zettel suchen und die Frage, welcher Müll morgen dran ist. Damit will ich mich aber nicht beschäftigen. Und schon gar nicht will ich mich damit beschäftigen, dass ich micht damit nicht beschäftigen will. Also muss irgendwas her, damit ich das vergesse.

Ich spiele also einfach mit dem Blatt, das ich gesehen habe und das eigentlich gar nicht geht, weiter. Gleich spiele ich damit zum Beispiel ein bisschen Ages of Wonders 3. Das habe ich schon den ganzen Tag lang überlegt.

Ich lese auch gerade ein Buch über Achtsamkeit. Das sagt, ich solle lieber eine Rosine essen. Das mache ich vielleicht morgen.

Noch ein Nachtrag zu gestern: Meine Frau hat, während ich schrieb, das Bett gemacht und sich dabei gedacht: „Eigentlich ist es Quatsch was ich hier mache. Wenn ich gleich mit den Kindern weg bin kommt ER eh und legt sich mit seiner dreckigen Jeans auf´s Bett und zerwühlt alles.“ Grundlage dieser Annahme ist mein anlassbezogenes Bedürfnis, Mttagsschlaf zu machen.

Habe ich nicht gemacht, ich habe Klausuren korrigiert. Acht Stück oder so.

 

 

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8 Kommentare zu „neu gegeben

  1. deinen Kommentar – soll ich eingeben, stand da.
    darüber hinaus hier mein erster naja Verbesserungsvorschlag ist jetzt nicht das richtig Wort, also Verbesserungsfrage: Wenn ein Charakter namens ‚meine Frau‘ auftaucht – wie könnte man diesen Charakter noch nennen? – muss der dann immer im Kontext mit so Haushaltsdingen auftreten?
    UND, drei ist manchmal einfacher – weil die regeln das eventuell auch untereinander … eins gegen eins ist halt eher n Paar und leider noch keine Gruppe, und Gruppendynamik würde ich – zumindest im Bad – Paardynamik vorziehen, teilweise.
    Dy·na̱·mik – Substantiv [die] – Lehre von der Bewegung von Körpern unter dem Einfluss von Kräften.
    Bier gibt’s nur noch am Wochenende – Fr. – So.

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  2. Ganz Irre – mein aktuelles Doppelkopf-Umfeld – spielen so, dass sie dann durchzählen lassen, wem eine Karte fehlt und dem die übrige Karte zuschieben. Kann man Pfusch nennen oder Gelassenheit oder Abmilderung der Schwernisse des Lebens und der nur zerbrechlichen Einrichtbarkeit der Welt. Bisschen Milde würde Dir mit Dir selbst auch gut tun.

    Und ich finde nicht, dass ein privater Blog auf politisch korrekte Repräsentativitäts-Achtsamkeit abgeklopft bzw. verbogen werden muss!

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  3. finde ich auch nicht – das kommt aber irgendwie so komisch mario-barth-mäßig rüber – deshalb eher die frage, wem man die rolle von ‚mein frau‘ sonst noch so zuschieben könnte …

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  4. Vielleicht könnte der Herr das Bett einfach selber beziehen? Aber vielleicht haben wir einfach auch verschiedene Auffassungen von den hier auftauchenden Buchstaben. Sind es Charaktere und Rollen und mithin Literatur, fiktionalisierter Alltag oder private Problembeschreibungen, stilistisch gefasst? Ich tendiere zu letzterem.

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