Headhunting

Tramp

„Wenn man einem Intellektuellen den Kopf abschlägt, stirbt er.“ Das stand auf einer Toilettenkabinenwand in der Rostlaube in der FU Berlin. Bei jedem Lesen freute ich mich. Wer nicht starb, als man ihm den Kopf abschlug, war jener Hahn:

http://www.spiegel.de/einestages/wunderhahn-mike-a-947198.html

Seine geistigen Fähigkeiten schienen nicht das zu sein, was ihn ausmachte. Ich stelle mir gerade vor, ihr seid Frauen und in der Disco, und ein Typ kommt und sagt das mit der Bettkante. Und ihr könnt sagen: So wie du hier rumgockelst: Wenn man dir den Kopf abschlägt, lebst du locker weiter.

Der Hahn hatte ja eine durchaus ernstzunehmende Krankheit – ich auch am Wochenende. Ich hatte etwas aus der Gruppe Grippe. Und für diesen blog hier relevant ergibt sich daraus die Frage: Wenn man an einem Wochenende keinen Alkohol getrunken hat, kann man das dann nachholen oder verfällt es? Ich selbst bin mir unsicher, fürchte aber, dass es verfällt. Vielleicht kann man es auch im Kurs 2:1 tauschen?

Ich ging so gegen 21 Uhr ins Bett am Freitag und Samstag, während F außerhäusig irgendwas feierte. Wenn man krank ist, darf man ja alles. Oder man muss nichts. Ich lief in meiner Achtlosigkeit auf einmal legitmiert an so Stellen im Haus vorbei, die ständig irgendwas rufen und mich unter Druck setzen wollen: Da schrien so Handschuhe und Mützen: „Wir liegen hier kreuz und sogar quer und wir haben kein Ordnungssystem. Das wäre doch jetzt wirklich nicht so schwer, das mal eben zu etablieren.“ Und ich konnte antworten, „Ja sicher, Ihr Anliegen ist außerordentlich berechtigt, nur bin ich da gerade echt die falsche Ansprechperson, schauen Sie mich doch an. Schreiben ses auf, ich beschäftige mich später damit.“ Auch zum Beispiel mein Drucker, dem ich am Mittwoch und Donnerstag viel meiner kostbaren Heimarbeitszeit gewidmet hatte rief: „Hey, entsorge mich, das hat doch der Support empfohlen. Oder schicke mich für 65€ ein, mach irgendwas, aber lass mich hier nicht einfach stehen neben der aktionistisch aufgeschraubten Waschmaschine!“ Dem Drucker gegenüber hatte ich allerdings auch einiges an ehrlichem Zorn angesammelt. Wenn es so ein kleines Plastikspielzeug in Sachsen gäbe, das einen Galgen darstellen, an dem ein Drucker baumelt: Ich würde eines erwerben! Für den prodesse-Teil des blogs: Druckt ab und zu irgendwas mit euren Tintenstrahldruckern, auch wenn ihr nichts braucht. Vielleicht Einkaufslisten. Oder druckt den blog aus, meinetwegen. Wenn ihr das lange nicht tut, trocknet der Druckkopf ein. Ob ihr den Druckkopf dann abschlagt oder nicht, spielt für den Drucker dann keine Rolle mehr. Ich ging an dem Drucker einfach vorbei ins Bett.

Dort sah ich Daredevil. Das tue ich eigentlich nur, weil ich Defenders sehen möchte und die anderen Vorgeschichten von Jessica Jones, Iron Fist und Luke Cage schon gesehen habe. So quäle ich mich also durch Daredevil. Ich sage, ich quäle mich, weil ich die Idee, einen blinden Superhelden zu machen, dessen Blindheit ihn absolut nicht handicapt, nicht überzeugend finde. Seine Superkräfte bestehen nämlich darin, dass er super riechen kann, wo sich gerade ein Pistolenlauf befindet, der auf ihn gerichtet ist oder ein Tisch steht und super hören kann, dass jemand skeptisch die Augenbrauen hochzieht oder so. Gut, ihr sagt jetzt, warum muss man immer das Defizitäre von Menschen mit Behinderungen zeigen, das ist diskriminierend. Ich finde es aber diskriminierend, wenn Menschen mit Behinderungen es immer nur dann auf die Leinwand schaffen, wenn sie Superkräfte haben. Neben Daredevil: Rain Man, Forrest Gump, Sauron. Dann lieber der kopflose Hahn. Der hat so ganz normale Sachen gemacht, wie die meisten von euch jetzt sicher schon wissen. Der hat ein bisschen gepickt (naja, dachte er) und seinen Kopf so in sein Gefieder gekuschelt zum Schlafen (naja dachte er), aber er hat jetzt nicht auf einmal fliegen können.

Eigentlich wollte ich heute etwas über Lieutenant Ripley schreiben und dass ich den Film, in dem sie in der Strafkolonie sind und nur ein Alien als Gegner haben, am besten finde.

Ich hatte gehofft, die Schwere im Kopf sei vielleicht gut gegen die Schere im Kopf, doch Pustekuchen: Ich habe gerade gegooglet, wie man Lieutenant schreibt, um Kommentar-Anfeindungen zu entgehen.

Jetzt, wo ich langsam genese: Ich höre so Rufe aus unserem Garten. Irgendein Gegenstand verlangt irgendwas. Kümmere ich mich vielleicht morgen drum.

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4 Kommentare zu „Headhunting

  1. Mehr als W gibt es im Fußball nicht.
    Wenn Du findest, dass es eine Win-Win-Geschichte ist, für Autor und Leser, dann hast Du aber recht.
    Dennoch: schreib Du doch die Ode; ich kann besser Kritik.

    Gefällt mir

  2. Ich hätte eher auf ein youtube-video des kopflosen Federviehs gehofft, ein Unding, dass die in den 40 ern noch kein Youtube hatten. Dafür waren sie vor Katzenvideos gefeit, das nenne ich eine Win-Win-Geschichte.

    Gefällt 1 Person

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