Todesser – do they know it´s christmas?

Ich höre Band Aid. Kennt ihr ja. Gab es ja sogar eine Neuauflage. Und ich denke, Mann, ich sollte doch zu terres des hommes gehen. Und da ich ja so lustig bin, kann ich diese Hilfsorganisationen aus der Verknöcherung führen. Ich frage dann fil, ob er nicht ein paar Didi und Stulle sind mal kurz die Welt retten Comics machen kann. Es gibt ja eine literarische Form, wo das veralbert wird, was jemand behandelt, aber letztlich doch weniger veralbert als das, was die behandeln. Also ungefähr, haha, wir Lustigen immer mit unseren Schildern, wo an Konflikte auf der Welt erinnert wird, von denen noch nie jemand gehört hat (Habe ich so mit meiner amnesty-Gruppe ca. 1993 gemacht: Das Unrecht in Moldawien – schon vergessen?), aber dennoch bleibt man solidarisch und noch blöder sind… ist ja klar: Die Unrecht-Macher. Naja, fil könnte das sicher besser zeichnen, als ich hier schreiben. Dann lese ich gerade Robert Habeck und ich merke, dass ich die Zeilen so mit Hoffnung vollpumpe (linker Macron in Deutschland, endlich ein Nicht-Politiker, Schriftsteller-Kollege…), dass ich das Buch wahrscheinlich nie schaffen werde. Dennoch trete ich vielleicht doch nicht aus, wenn er Vorsitzender wir, obwohl er sicher eine Realo-Sau ist.

These: Man drückt sich vor der Pflicht, weil man Angst vor der Kür hat. Früher habe ich mal ein fiktives Interview mit meinen Enkeln geführt – ich fürchte, sogar in der Schülerzeitung – in dem mir mein Enkel vorgeworfen hat, warum er Pseudo-Krupp hat (gibt es eigentlich auch Realo-Krupp?) und alles so Sachen. Aus meiner heutigen Perspektive kann ich ihm sagen: Ja schon, aber weißt du, wir hatten damals ein zerbrochenes Fenster und die Feldsteine aus Vorderindien waren ausgesprochen überwachsen. Nicht mal Wäsche konnten wir waschen, die Kinder haben mit Motorkohlen gespielt, weil sie an andere Sachen nicht rankamen in unserer Unordnung. Da konnte ich nicht mit Leuten von früher „Do they know it´s Christmas time at all“ singen. Bei fiktiv (auch wenn das schon einige Zeilen her ist) fällt mir eine gute Story ein. Wir sitzen so am Abendbrotstisch und reden über fan fiction zu Harry Potter und so. Da sage ich, etwas bemüht lustig, ja fan fiction ist das eine, super ist aber auch fiktive fans. Vielleicht sagte ich das auch unter dem Einfluss dieses blogs hier. F. mega empört, so auch unsere Tochter, bei der ich aber noch immer glaube, dass sie nichts verstanden hatte und nur auf der Empörung ihrer Mutter trittbrettfuhr. Eine Welle von Hass schlug der Jungsseite entgegen, denn neben mir zeigt der Älteste deutlich Zeichen von Amusement. F. so: „Was soll daran witzig sein, hier sind Kinder anwesend?!“ Ich denke mir, naja, da hat sie wohl irgendwas anders verstanden. Es entspann sich ein Quintolog, in dem die eine Seite versuchte, die andere dazu zu bringen, zu sagen, was sie verstanden hatte. Das dauerte seine Zeit. „Fick die Fans“ war es, wie eine Kommission herausfand. Ja, lustig. Vor allem, was F. denkt, was unser Sohn und ich so lustig finden. Ich muss an zwei Dingen arbeiten: 1. An meiner englischen Aussprache, 2. Offenbar an meinem Humor. Also nutzt es gar nichts, wenn ich zu Hilfsorganisationen gehe. Wenn ich da Skandale verursache, indem ich irgendwas sage wie: Let´s help them alltogether und alle verstehen: eat the rich. Naja, aufrütteln würde es vielleicht. Ich bin aber eh fein raus jetzt: Wenn mein Enkel das hier liest und bemerkt, mit welch immensen Widrigkeiten ich alleine bei einer einfachen Nahrungsaufnahme zu kämpfen hatte, verzeiht er mir.

„Well tonight we’re reaching out and touching you“ klingt allerdings auch ein bisschen wie ein Beitrag zur mee too Debatte von so Harvey Weinstein, Reiner Brüderle und Frank Henkel.

Was mir noch zu Fanfiction einfällt: Ich las heute, ein Roboter habe Harry Potter fortgesetzt. Dabei kam unter anderem Folgendes raus: Harry-Potter-Roboter

Harry, Ron und Hermine standen still hinter einer Gruppe Todesser, die ziemlich übel aussahen. „Ich denke, es ist okay, wenn du mich magst“, sagte ein Todesser. „Danke dir von Herzen“, antwortete ein anderer.

Daraufhin lehnte sich der erste Todesser mutig nach vorne und küsste den anderen auf die Wange. „Oh, gut gemacht“, sagte dieser, als sich sein Freund wieder zurücklehnte. Alle anderen Todesser applaudierten höflich. Dann nahmen sie sich einige Minuten Zeit, um zu besprechen, was man gegen Harrys Zauberei tun könne.

Todesser haben bei ihrer Lektüre der kritischen Männlichkeitsforschung offenbar andere Dinge behalten als ich. Ich dachte kurz darüber nach, ob ich den Todessern nicht immer ein wenig Unrecht getan hatte. Zumal ja auch Todesser nicht heißen kann, dass sie den Tod bringen. Sie sind ja eher missverstandene Aasfresser wohl. So wie der Tyrannosaurus Rex. Und Harry schenkt ihnen immer voll ein, weil er sie so über Leichen gebeugt findet – kennt man ja aus dem Tatort, der über Leichen Gebeugte ist nie der Täter – und sie müssen sich endlich mal ein bisschen gegen diese Welle aus Hasse wehren. Ich weiß, wie das ist.

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9 Kommentare zu „Todesser – do they know it´s christmas?

  1. Habt ihr Moldau gefragt – ob Moldau das auch wirklich gewollt hat?
    Der alte mann sagt, es gibt nur zwei möglichkeiten, entweder man hilft sich selbst, oder man lässt sich helfen.
    Die möglichkeit also ungefragt zu helfen, gibt es gar nicht, bzw. ist das dann eher schon wieder die Kategorie des sich selbst helfens.

    You make me like charity
    Instead of paying enough taxes.

    Habeck Potter is bisher völlig an mir vorbeigangen.

    Hier der link:

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  2. zum Thema Berliner Englisch:
    Neulich in einem Zeitungsladen am Hauptbahnhof. Älterer Mann:
    „Du sollst beiseitejehen, Mensch!“
    Jüngerer Mann:
    „Sorry, englisch?“
    „Aus´n Weech, Motherfucker!“

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  3. Syntax und Gedanken verhalten sich in der ersten Hälfte so, also ob sie noch in Deinem Kopf wären oder unter fiktiven Fans und nicht hier unter uns, die wir nicht alles schon wissen, wie Gegenüber in idealisierten Liebesbeziehungen, die ja auch nur im eigenen Kopf stattfinden. Hier müssen sich Gedanken noch erklären. Trotzdem habe ich über die gefickten Fans sehr laut in der U-Bahn gelacht und mache mir aber auch langsam Gedanken über das Unbewusste an Eurem Familientisch.
    Ich habe mich ja lange gefragt, nicht nur, wer Achtsamkeit-Bücher kauft, sondern auch, wer Politiker-Bücher kauft. Nun weiss ich es und dass Robert H. auch Schriftsteller ist, legitimiert das nur ein bißchen.

    Und: No. And if they do, they don’t give a fuck.

    (Selige Zeiten, als man noch ganz unreflektiert gedacht hat, die ganze Welt würde am christlichen Weihnachtsgedanken genesen.)

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