Zeit schänden

So, da seht ihr den Kiefernhäher (nicht mehr, habe ich durch Küher ersetzt). Er sät. Und erntet auch. Also bitteschön! Er sieht auch etwas zerzaust aus von der Arbeit. Er würde sich sicherlich auch gerne wie die hier schon zuvor einmal thematisierten „Laubenvögel“ eine Garage bauen, aber nein, er fliegt morgens los mit 30.000 Samen der Kiefer im Mund und sät. Im Winter erinnert er sich unglaublich toll daran, wo, er sie zuletzt gesehen hat und holt sie sich wieder. Am Samstag dachte ich, ich hätte die Schraube der Motorkohlen auf der Waschmaschine abgelegt. Ich suchte sie Anderthalb Stunden lang. Dann ging ich vergeblich in den Baumarkt, um eine neue zu kaufen. Schließlich fand ich sie wieder. Auf der Waschmaschine.

Ich habe also neue Nachrichten aus der Abteilung: „Selbst reparieren ist so gut wie weggeworfen“ Erst mein Epson-Drucker: Vier Stunden zog sich unser Kampf hin und am Ende gab es einen eindeutigen Sieger. Außerdem bestellte ich für den Jungen eine neue Kopfhörerbuchse für sein Handy. Im Netz gibt es für alles Erklärungen, eben auch dafür. Es klappte. Aber es hatte vielleicht gar nicht an der Kopfhörerbuchse gelegen… Dann die Waschmaschine. Die neuen Motorkohlen passten nicht, ich improviserte und klebte sie trotzdem irgendwie an. Die Waschmaschine tat dann in einem Leerlauf so, als wäre sie waschbereit. Als ich richtige Wäsche hineintat, machte sie die nur nass und lehnte sich gemütlich zurück. Jetzt gehe ich vielleicht morgen mal in einen Waschsalon. Waschsalons sind ja auch so mythische Orte. Man lernt auf jeden Fall seine Frau kennen oder so Menschen mit b-Kopfhörern, die mit Drumsticks auf die Waschmaschine einschlagen. Oder Menschen, die Bücher lesen, die so heißen wie: „Geronimos Geröll“. Und alle schönen Menschen stehen generell nur in Unterwäsche vor den Trommeln. Irgendwo dreht ein Filmteam, wie ein Autist vor einer Waschtrommel sitzt und sagt: 3247 Mal.

Das Scheitern von Geräten geht auch, ohne dass ich Initiative zeige: Am Samstag fuhr ich mit dem IC durch die Gegend. Dann war er kaputt. Leider hatte ich dort kein Netz, wo ich war. Sonst hätte ich gegoogelt „IC reparieren“. Diese Episode beunruhigt mich leicht vor dem Hintergrund, dass wir am Samstag mit drei Kindern mit der Bahn 700 km zurücklegen wollen. Vielleicht melde ich mich aus dem Sturmauge, WLAN gibt es ja manchmal im Zug.

Ein Schüler hat geschrieben, am 17. Juni 1953 hätten die SED-Funktionäre in den Betrieben „Zeit schänden“ wollen, bis die Russen kommen. Das finde ich toll. Das ist eine schöne Formulierung für das, was ich mache, wenn ich gerade nichts kaputt mache. Die Grauen Herren aus Momo rauchen ja die Zeit irgendwie. Das ist vielleicht auch eine Form der Zeitschändung. Wir haben gelernt: Dann lieber Schritt, Atemzug, Besenstrich wie Beppo Straßenkehrer. Offenbar muss man auch die zweite Staffel von Daredevil sehen, bevor man Defenders sehen kann. Dort spoilert nämlich seine Exfreundin durch´s Bild. Daredevil ist aber nicht mehr so schlimm. Ich gewöhne mich an ihn. Bei Serien ist das ja wie bei der Bundesliga: Ist man erstmal richtig dabei, findet man sogar interssant, wie Hoffenheim spielt.

Ob diese Vögel auch mal was Sinnloses machen. Also nichts einüben, nichts essen, nicht putzen, evolutionären Unsinn. Habe ich mal von der Postkarte berichtet, die ich mal erhielt? Da stehen etliche Kühe auf der Weide und eine sagt: „Eigentlich ist es Quatsch, was wir hier machen.“ Die hat jetzt den Häher verdrängt. Was heißt eigentlich „hähen“? Ist das so eine Art sich hinbegeben um etwas zu mopsen?

Ich war bei der Vorsorguntersuchung. Die Ärztin: „Naja, ein kleines Bisschen Fett hat sich an der Leber angelagert. Vom vielen fetten Fleisch und vom Alkohol vielleicht.“ Ich so: „Ich bin Vegetarier.“ …

Man kann zum Zeitschänden auch Deathtrap Dungeon spielen und damit Gastgebern zur Last fallen. Das ist ein Übergang dazu, dass Scha! heute Geburtstag hat! Gratuliere!

 

 

 

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3 Kommentare zu „Zeit schänden

  1. Die wenigen Male, die ich Dein Gastgeber sein durfte, hast Du nie Deathtrap Dungeon gespielt und bist mir nie zur Last gefallen ! Dankeschön!

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  2. 1997 in der Eisenbahnstaße fühlte es sich aber genau so an. Nick Cave hatte eine neue Platte rausgebracht, ich brachte gar nichts raus, außer um Frauen rumzuscharwenzeln.

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  3. happy new year – und guckt mal, wie u. früher, der eine, und insbesondere der tanzstil da im hintergrund …

    p.s. ich konnte nicht ‚wie guntron früher‘ schreiben, weil es den ja früher gar nicht gab

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