Wollen Sie Ihren Fortschritt speichern?

Verdienstvoll der Beitrag von Seb „Teneriffa“ von den Düsseldorfer Düster Boys. Den Tanzstil hat F. mit Whoo-Rufen tatsächlich mit meinem in Verbindung gebracht. Immerhin ist der Tanzende der Coolere. Also von den beiden im Video.

Ich stromerte so durch das Interntet in den wenigen Augenblicken, die mir das Familiendasein in, nach und zwischen den Jahren ließ und fand einen Artikel bei spiegelonline, in dem es um ändern ging.

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Wenn man sich erstmal durch windige would-be-Erkenntnisse der Zwillingsforschung gekämpft hat, wo Eugeniker irgendwie vermuten, dass die Gene den Menschen bestimmen, wird man mit dem Artikel an der Leine zu einer interessanten Weisheit geführt: „Und daher müssen wir uns vielleicht gar nicht ändern.“ Und zwar, und dabei bleibt die biologistische Argumentation sich treu: Alle werden in der Natur (oder war es die Gesellschaft?) gebraucht. Die Risikobereite und die, die sich schnell langweilt, aber auch die, die immer alles schön ordentlich hält usw. So interessant sind die Lebensmodelle nicht, könnt ihr ja selbst lesen. Vergessen wird der… ich sage mal: Rumhänger. Ich habe dann versucht, einen evolutionären Vorteil für den zu finden: Erstmal kann man keinen Faschismus mit ihm aufbauen. Wenn man ihm sagt: Hier ist ein Lager, da sind Gefangene, bewache die mal, denkt er sich, ach naja, oder später. Ähnlich ging es ja zuletzt den Justizvollzugsbeamten in Berlin Plötzensee. Bevor sie in hektische Geschäftigkeit verfallen, wenn sie einen Ausbruch bemerken, denken sie sich: Ach, wird schon wiederkommen. Oder: Beim Nächsten passe ich echt besser auf.

Einen Tag vorher war ich mit der Familie in den mondänen Hallen der Senatsverwaltung für Justiz zu Besuch – man will den Kindern ja auch mal was zeigen in Berlin. Eingedenk des kleinen Rechenschaftsberichts des Herrn Senators habe ich in den folgenden Tagen eine Theorie entwickelt: Der Bauernverband schmiert die Gefangenen, damit sie ausbrechen. Anlass für diese Therie waren zwei Fakten:

1. Die Gefangenen, die das Fenster „manipuliert “ (!) haben, haben sowieso ab und zu Freigang. Sie sind also nach Hause ins Gefängnis gekommen und dann ausgebrochen. Es kann also kaum darum gegangen sein, in Freiheit zu gelangen.

2. Der Bauernverband hat sehr Angst vor der drohenden Schweinehaltungsüberprüfungssnormenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht auf dem Schreibtisch des Senators. Im Prinzip besagt diese, dass auf Schweine das Tierschutzgesetz angewendet wird, ähnlich wie es bei Hühnern schon geschieht, deswegen gibt es kaum noch DIN A4-Hühner-Käfige. Die Schweinehaltungsinstitutionen begrüßen das nicht.

Wer diese Fakten zusammenbastelt, kommt zu dem klaren Schluss: Der Bauernverband besticht Strafgefangene, damit sie abhauen und den Senator unter Druck setzen. Schweinesystem.

Ich war eigentlich dabei, die evolutionären Feinheiten des Rumhängens auszuloten. Da wäre ja noch, dass Brutpflege faktisch auch nur Rumhängen ist. Kann man sich eben kaum vorstellen, dass ein Hyperaktiver wie, weiß ich, Alexander von Humboldt das kann. Allerdings muss ich leider feststellen, dass sich die Brutpflege in den letzten 30 Jahren entschieden wegentwickelt hat vom Rumhängen und mit allerlei Ansprüchen aufgepumpt wird. Das liegt zum Einen daran, dass Männer jetzt auch manchmal Kinder betreuen und darüber zähe blogs schreiben, wo jedes Wickeln als Großtat verkauft wird. Zum anderen liegt es daran, dass der Kapitalismus das Patriarchat soweit eingedämmt hat, dass er an die Arbeitskraft der Frauen ranwill. Das war so, irgendwann in den 70´ern (@schab, das ist fiktional):

Kapitalismus: Sag mal, Patriarchat…

Patriarchat blättert abwesend in Frauenzeitschriften: Mh.

Kapitalismus: Du hast doch diese Frauen, nicht wahr?

Patriarchat: Ja, wieso?

Kapitalismus: Naja, ich bräuchte welche.

Patriarchat: Ja, für die Reproduktionsarbeit, wie abgesprochen.

Kapitalismus windet sich etwas: Ja, haben wir abgesprochen. Aber … hast du die dir mal näher angesehen?

Patriarchat: Ja, nackt. Willste welche sehen?

Kapitalismus: Nee, das meine ich jetzt nicht, aber einige von denen sind echt ziemlich klug.

Patriarchat: Ja, aber wenn man nicht so darauf achtet, stört es nicht.

Kapitalismus: Sie lösen zum Teil Kreuzworträtsel und optimieren Haushaltsorganisation so gut wie Männer oder besser. Wenn ich die in einer Firma hätte, würde die noch viel mehr akkumulieren.

Patriarchat: In der Firma, bist du bescheuert? Ich brauche die beim Putzen.

Kapitalismus: Wenn du die Frauen nicht rausrückst, lass ich die Firmen pleite gehen, die Männer werden entlassen, und werden irgendwann auf die Idee kommen, zu Hause zu helfen.

Patriarchat: Wohl kaum.

Kapitalismus: Willst du es drauf ankommen lassen? Ich will auch nur die einheimischen Frauen. Frag doch Rassismus, ob er dir ein paar Einwanderinnen gibt für die Hausarbeit.

Patriarchat: Mh… naja gut.

So besiegte der Kapitalismus das Patriarchat. Zumindet in der Frage, ob man Frauen nicht zusätzlich auch noch zur Kapitalakkumulation einsetzen sollte. Jetzt machen manche Frauen beides: Firma und Haushalt und die, die das nicht tun, sind vom Kapitalismus dazu angestachelt, in der Heimarbeit Unglaubliches zu leisten, also machen sie Farbmotto-Geburtstage und Mehrgeschmacksmuffins. Zum Ausgleich müssen die Männer ein bisschen besser aussehen, vielleicht, weil eine potenzielle Dax-Firma-Frau nicht mehr mit Geld und dickem Bauch zu beeindrucken ist.

Jedenfalls ist dadurch Brutpflege nicht mehr mit Rumhängen vereinbar. Was allerdings gut mit Rumhängen verbindbar ist, ist konsumieren. Und das ist natürlich ein toller Vorteil für die Natur, die immer an Absatzmärkten für Fruchtshakes oder Fleischbatzen oder Krokodillederhandtaschen interessiert ist.

Genaugenommen ist es mir auch Wurst, ob mein Verhalten der Evolution hilft. Und das ist auch der Irrtum der Spinner im Spiegel. Man sollte vielleicht Biologie im Unterricht ein bisschen verbieten, wenn da so ein Quatsch bei herauskommt. Wenn unsere Polpulation zu groß wird, gehe ich auch nicht hin und schmeiße mich irgendwelche Klippen runter. Wir siedeln Wölfe an, damit unsere Wälder waldiger werden. Da werden wir ja wohl auch noch unevolutionäres Verhalten an den Tag legen können.

Deswegen werde ich trotzdem schöner, aktiver, fitter 2018, auch auf die Gefahr hin, dass die Zwillingsforschung ergeben hat, dass das nichts wird. Oder, wie es bei den Düsterboys heißt „Man merkt erst, dass man weg muss, wenn man geht.“ Wobei mir der Zusammenhang nicht ganz klar ist. Ist er bei der Zwillingsforschung aber auch nie.

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3 Kommentare zu „Wollen Sie Ihren Fortschritt speichern?

  1. Erstens heisst das Akronym scha! und nicht schab; mir ist ja solche Verspieltheit schon peinlich genug, da muss man es nicht auch noch zur Beleidigung umformen!

    Zweitens: Hab ich ein Fiktionswahrnehmungsproblem?

    Drittens: Finde ich gelungen, den Dialog!

    Viertens: So wie der Kapitalismus/Faschismus nichts mit Faulheit anfangen kann, ist die Trauer der Ort, den der Teufel scheut.

    Fünftens: Vielleicht siedeln wir die Wölfe doch unbewusst an, damit sie uns von der Klippe stossen?

    Sechstens bis Hundertstens: Frohes Neue Jahr! Frohes Neues Jahr! Frohes Neues Jahr!

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  2. @seb: Warum kommen in coolen deutschsprachigen Liebesliedern eigentlich seit neuestem immer südliche Orte und Tanten vor? Ist das alles auch computergeneriert und was kommt als nächstes: nörtliche Orte und Onkels?

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  3. schöne Parallele – und vllt. weil amore besser klingt in unseren deutschsprachigen Ohren als z.B. kärlek, und weil Onkels ganz klar immer böse sind ..

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