Harpyien gegen Hasen

Der Hase, Maxi heißt er, denkt, ich sei ein Greifvogel, wurde mir von Seb berichtet. Deshalb greift er mich an. Falls ihr euch also fragt, warum das Verhältnis zwischen Greifvögeln und Hasen so schlecht ist: Es könnte auch an den Hasen liegen, denn selbst wenn ich ein Greifvogel gewesen wäre, ich hätte ja weiterhin den Hasen nur füttern wollen. Und er – voller Vorurteile – denkt, alle Greifvögel wollen Übles und denkt auch, das wird man ja wohl nochmal denken dürfen. Und natürlich fühlt er sich auch von Greifvögeln übervögelt. Kunststück, wenn er alle möglichen Leute für Greifvögel hält. Ich hatte auch mal einen Hasen. Der hat sich immer ausgestreckt, was wir Flatschganzelänge genannt haben. Vielleicht hat er uns auch für Greifvögel gehalten und Flatschganzelänge war Imponiergehabe, denn damit wirkte er größer als die meisten bekannten Greifvögel. Angegriffen hat er mich nie. Er hieß Muckel. Wir haben ihn irgendwann auf eine Hasenfarm gegeben, wo er den ganzen Tag Möhren bekommt und alle so wirken, als wären sie absolut keine Greifvögel. Cool, dass es solche Farmen gibt, oder?

Wenn ich der Hase bin, was ist dann der Greifvogel? Vielleicht der Abgrund (Maxim: „Willkommen im Club“). Mir fallen gerade Harpyien ein. Aus der Reihe Tiere, die ich immer für Fabelwesen gehalten habe, und die es aber in echt gibt. Hier kommt morgen eine Überleitung zur Truman Show. Jetzt muss ich ein Gesellschaftsspiel spielen.

Ein Hase ist kein Kaninchen, weiß jeder, der nicht so weit vom Deich weg sitzt, für eine Überleitung reicht die Parallele aber: Ihr kennt ja das Kaninchen vor der Schlange. Das Kaninchen denkt sich, wenn ich mich überhaupt nicht bewege, ist die Schlange nicht da. So ähnlich wie man dem Vogelstrauß vorhält, er würde den Kopf bei Gefahr in den Sand stecken. Ich las übrigens mal, dass das nicht stimmt. Vielleicht steckt er nur ab und an mal den Kopf in den Sand und sieht dann halt die Gefahr nicht kommen. Tierforscher kommen dann vorbei, sehen die Gefahr und denken sich, ulkig, der Strauß wieder, steckt voll den Kopf in den Sand bei Gefahr. Für meine Überleitung brauche ich aber den Gefahr-Kopfsand. So ähnlich macht es nämlich Truman aus „Der Truman Show“ auch. Nur ohne Gefahr. Und – ok – ohne Sand. Dennoch hat er eine Scheinwelt, in der er vor sich hinlebt und wenn er wegguckt, werden hinter ihm die Kulissen rumgeschoben. Der Film legt den Verdacht nahe, dass er das 20 Jahre lang nicht erkannt hat. Wirklich? Ich glaube eher, dass er Angst vor der wirklichen Welt hatte, bis Warner Bros. oder wer auftauchte und es ihm peinlich wurde, so dass er alles auf einmal zu hinterfragen begann.  Es ist doch wohl eher wie bei Cypher aus Matrix, der sagt, wenn ihr mir eine Welt anbietet, die nicht stimmt, aber dafür leckeres Fleisch hat, nehme ich diese Welt, zumal Trinity eh nicht auf mich steht. Es gibt auch die andere Richtung: Solipsisten nennt die Philosophie jene Leute, die der Ansicht sind, es gäbe nur sie und alles andere seien Statisten. Beweist denen mal, dass sie sich irren! Das erinnert mich an einen Traum, den ich mal hatte, während ich wusste, dass ich träume. Da habe ich die anderen Personen darüber aufgeklärt, dass sie nur Figuren aus meinem Traum sind. Die Lehren von Kaninchen, Strauß, Cypher, Traum und Truman führen dazu, dass ich Folgendes mache: Mein Schreibtisch liegt voller Todo-Listen-Bewohner, aber ich schaue nicht hin, sondern sehe zum Beispiel Harry Potter. Und tata: Die Todo-Liste ist wirklich weg. So wie die Schlange, die Gefahr, Mr. Smith, oder der Himmel aus Pappe. Das ist Dissoziieren und das Gehirn macht das, um sehr unangenehme Teile des Bewusstseins wegzuschieben.

Das kann man nutzen, wenn man Dinge nicht machen will. Wenn ich einen Brief bekomme und weiß, da ist eine Mahnung drinnen, gaukle ich mir durch Fremdeinflüsse vor, ich würde in einer Welt ohne diesen Brief leben. Leider muss man dabei immer über Bande spielen und kann den nicht von sich aus vergessen. Filme zum Beispiel.

Also dann vielleicht doch den Brief beißen, weil er mich angreifen will.

Bild zeigt eine Harpie, die einen Ara fertigmacht und einen Leoparden, der Quatsch macht, weil er es kann. Ist aus dem Naturkundemuseum Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare zu „Harpyien gegen Hasen

  1. Schönes Kunststück: zwei öffentliche Debatten in einem Halbsatz: „von Greifvögeln überzögelt“
    Wer ist Maxim?
    Denkst Du wirklich immer noch, dass Muskel noch lebt („wo er den ganzen Tag Möhren bekommt“) oder war die Hasenfarm (damals schon) eine Metapher?

    Gefällt mir

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