Macht nichts (falsch)!

Heute ist wieder Montag. Ich muss heute Abend zum Jiu-Jutso. Mein Widerwillen ist schon ein bisschen geringer geworden. Außerdem muss ich mit meinem Sohn zur Ärztin. Der hat irgendwie Fieber, ist dabei aber sehr höflich und recht gut drauf. Die Ärztin muss auch prüfen, ob seine Beule sich ok entwickelt –  er war ja vor Weihnachten die Treppe runtergefallen. Ich überlege, ob ich der Ärztin anbiete, dass sie kurz mit ihm alleine redet, damit sie ihn fragen kann, ob ich das war. Aber macht das nicht noch verdächtiger? Ich finde auch den Krankenhausbericht nicht, den die Ärztin vielleicht haben will. Auf der Suche danach habe ich Altpapier umgeschichtet, das ich eigentlich wegwerfen müsste. Das war aber in dem Moment nicht mein Job, also legte ich es wieder in den Stapel potenzieller Krankenhausberichte. Wahrscheinlich durchsuche ich es später wieder. Mit Altpapier wegwerfen habe ich auch nicht durchweg gute Erfahrungen. Als ich das Zeugnis meines Zweiten Staatsexamens erhielt… man ahnt schon die Pointe, ich erzähle also von hinten wie beim analytischen Drama: Ich habe mein Staatsexamenszeugnis in den Müll geworfen. Das kam so, dass ich es in Ermangelung einer Zeugnismappe oder dergleichen in die Zeitung wickelte, da ich ja nicht wollte, dass es zerknickt. Zu Hause verspürte ich die Voraussetzung jedes echten Scheiterns: Tatendrang. Ich räumte ein bisschen auf.  Zum Glück schob ich die Bewerbungen nicht so weit auf, dass zwischendurch der Papiermüll abgeholt wurde. Es kann sein, dass mein Unterbewusstsein dabei eine Rolle spielte, denn das Zeugnis war echt schlecht und die Berufswahl… naja.

Ich habe durch die Krankheit meines Sohnes einen freien Tag gewonnen. Zumindest einen mit Freiheit von Lohnarbeit. Wir haben der Putzfrau abgesagt. Denn ich traue mich zwar mittlerweile, im Haus zu sein, wenn sie da ist – ich verlasse dann das Arbeitszimmer nicht. Aber wenn mein Sohn auch noch da ist – zu krass. Als sich die Krankheit abzeichnete, verspürte ich eine kleine Freude, aus der sich mehreres schließen lässt: 1. Was ist das für ein Vater, der sich freut, wenn sein Sohn krank ist?! 2. Ich arbeite nicht in meinem Traumjob. Das kann wiederum heißen, es ist nicht der richtige Job oder ich versaue ihn mir durch die Art und Weise, wie ich ihn (nicht) tue. Wenn ich mal mehr dafür tue, macht er nämlich mehr Spaß. Wenn er gerade wenig Spaß macht, tue ich aber weniger dafür, ist ja eigentlich auch logisch, aber verheerend. Ein positives Beispiel: Letztens hatten meine Schüler*innen ja angedeutet, dass sie es seit 5 Jahren gut finden würden, wenn ich meine Klassenarbeiten vor der Rückgabe tackern würde. Das war mir neu, es traf sich aber gut, da meine Fau zu Weihnachten von einem Geschwister einen unsichtbaren Tacker bekommen hat. Endlich mal Produktplatzierung! Also die Klammern sind unsichtbar, denkt man. In Wirklichkeit locht der Tacker das Blatt irgendwie und krumpelt daran rum, so dass die Blätter zusammenhalten. Ich kam also in die Klasse, die Arbeiten waren getacktert und ich dachte: Traumjob. Daran rumkrumpeln, so dass sie zusammenhalten – warum muss ich da nach gestern an die SPD denken? Ich glaube, ich wäre ein besserer Parteivorsitzender als Schulz, besser als Nahles, besser als Gabriel, besser als Beck…  –  ist es Zufall, dass ich eine Woche nach Brandts Rücktritt geboren wurde? Vielleicht wäre ich so gut, weil ich eigentlich Schriftsteller bin. Wie Robert Habeck, von dem ich ja hoffe, dass er mein Vorsitzender wird, auch wenn er zum anderen Flügel gehört. Ob ich ein besserer Vorsitzender wäre als Schröder, weiß ich nicht so recht. Er kann wohl besser Wahlen gewinnen, denkt aber die falschen Dinge über die wichtigen Sachen. Ich war einer der ersten 1-Euro-Jobber Deutschlands. Die Umstände nehme ich der SPD noch immer übel. Den Grünen allerdings auch. Soll ich doch austreten? Mal abwarten, ob mein Schriftstellerkollege Vorsitzender wird. Robert Habeck redet ab 2:10. Er erklärt da sehr hübsch, warum er sich als Deichbauminister für den Klimawandel interessiert.

Nachtrag: Ich habe den Krankenhausbericht gefunden. Aber natürlich nicht in dem Papierstapel, der nach Krankenhausberichten aussah, sondern auf dem Schreibtisch von F., die mir auch, bevor sie ging, sagte, der würde sich „In den Tiefen meines Schreibtisches“ befinden. Ich bin ein bisschen beeindruckt, denn ich dachte: „Quatsch!“.

Noch ein Nachtrag: Als wir zur Ärztin fuhren, vergaß ich den Bericht zu Hause. Aber immerhin nahm ich meinen Sohn mit. Geht ihm ganz gut.

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2 Kommentare zu „Macht nichts (falsch)!

  1. Wahnsinn! LeserInnenzuwachs um 33%! Und dann, so hat es auch noch den Anschein, in der weiblichen Zielgruppe! Kauft Aktien, Leute!

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