Putzfrau und Kommune

Die Putzfrau und ich, das ist so eine Sache. Zwar ist mein Vater nicht mit einer Putzfrau durchgebrannt, so dass ich zur Kenntnis nehmen kann, wenn jemand „Putzfrau“ oder „cleaning woman sagt“, ohne jemanden zu würgen (anders als Steve Martin in: Tote tragen keine Karos ), aber unbehaglich wird mir doch. Meine neueste Überlegung ging folgendermaßen: Ich lag heute Nacht ein bisschen wach und sammelte ein Schlafdefizit. Wie sollte ich das wieder loswerden? Ich habe es ja mittlerweile geschafft, dass ich im Haus bleiben kann, wenn die Putzfrau kommt. Vorher fuhr ich immer zur Schule und setzte mich ins Lehrerzimmer. Aber als ich einmal krank war und ankündigte, mich noch einmal hinzulegen, wirkte die Fachkraft für Reinigungsangelegenheiten irgendwie zerknirscht. Sie versprach dann, dass sie leise putzen würde. Ohje. Nicht nur, dass ich mir hinterherputzen lasse – ich will dabei auch noch nicht gestört werden! Seitdem habe ich mich immer im Arbeitszimmer aufgehalten und wenn ich sie in der Nähe gehört habe, ein bisschen mit den Tasten der Tastatur geklappert, damit sie nicht denkt, ich gammle rum. Mein Plan heute Nacht war folgender: Ich lege eine Iso-Matte ins Arbeitszimmer und schlafe da. Dann muss sie nicht leise sein und denkt nicht, ich gammle rum. Am Morgen schien mir das nicht mehr so naheliegend. Mein neuer Plan ist, dass ich mit dem LAPTOP gemeinsam im Schlafzimmer verschwinde. Vielleicht finde ich bei youtube ein Tastaturgeräusch, das ich anschalten kann, wenn ich schlafe… ICh habe einen kleinen Hau, aber: Jemanden, den ich immer nur produktiv wahrnehme und das auch noch bei mir zu Hause und das auch noch zu einer Zeit, in der ich nicht nur produktiv bin…  Es ist, als ob mein Über-Ich bei meinem ICH putzt. Und das ICH muss immer so zur Seite gehen und die Beine hochnehmen. Das hat nämlich keinen eigenen Raum, die teilen sich den. Und ein Lehrerzimmer hat es auch nicht. Nur das ES hat einen eigenen Raum, denn weder ICH noch Über-Ich wollten mit dem gemeinsam wohnen. Das ICH kommt aber ins Zweifeln über die Raumaufteilung, wenn das Über-Ich putzt. Vielleicht geht es dann mal kurz zum ES rüber. Das liegt aber auf dem Bett, steckt sich so den weichen Teil vom Brot in den Mund, kaut ein bisschen drauf rum und wirft den Brot-Speichel-Batzen dann an die Wand, um zu schauen, ob er kleben bleibt. Dann geht das ICH wieder.

Sie wird sich trotzdem fragen: Was will er mit dem Laptop im Schlafzimmer? Guckt er jetzt Pornos, während ich hier putze? Putzfrauenpornos? So schlimm ist es im Lehrerzimmer vielleicht doch nicht, zumal, wenn man nur auf der Flucht vor der Putzfrau ist und gar nicht arbeitet. Es ist dann ein bisschen so wie bei Monoply, wenn man im Gefängnis „nur zu Besuch“ ist.

Etwas anderes: Aufgerüttelt von den Reisen von  Andreas Moser  habe ich mich gefragt, was ich denn so aufschiebe, weil ich Kinder habe. Und ich bin darauf gekommen, dass ich ja eigentlich in einer Kommune leben will. Also mit Künstler*innen und/oder politischen Menschen. Ohne Sex. Also nicht mit allen. Alle würden die gemeinschaftlichen Sachen runterwohnen, man würde sich nicht auf einen gemeinsamen Stil einigen, es gäbe also gar keinen, sondern nur so unterschiedliche Teller und keine Bilder an den Wänden außer Star Trek-Plakate oder vielleicht Léon der Profi, die Menschen würden sich ineinander verlieben und sich trennen und mich damit volllabern, wie gemein der andere ist. Und nie wäre Milch da. Das Konzept Nachbarschaft, das die bürgerliche Gesellschaft erfunden hat, um die Kommune-Bedürfnisse ihrer Bürger*innen zu befriedigen ist gar nicht so schlecht. Jetzt kommt es: Ich will gar nicht in einer Kommune leben. Höchstens, wenn die Kinder wieder klein wären und die Mitkommunard*innen wären umsonstige Baby-Sitter*innen. Lieber schöner Altbau nur mit F., Innenstadt, mit Nachbarn, die ein bisschen verrückt sind. Für Kinder ist es eh angenehmer, wenn die Eltern nicht mehr im Elternhaus wohnen, sie also dort nicht übernachten müssen, wenn sie in der Stadt sind. Und für die Eltern ist es auch besser. Die Kinder würde ich dann in ihren Landhäusern besuchen. Und da dann ein bisschen putzen. Aus Rache.

 

 

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4 Kommentare zu „Putzfrau und Kommune

  1. früher fand man putzfrauen doof, aus anderen gründen, bzw. fan man putzfrauen haben doof – welche gründe waren das nochmal? – und durft sie auch nicht so nennen, putzfrau. darf man das wieder? und wer entscheidet das? ich habe gerade heute früh mit meiner f. über dieses thema gesprochen – sie fand, wir brauchen hilfe beim putzen. ich finde eigentlich nicht – denn wenn aufgeräumt ist, kann ich sehr schnell selber putzen. wir bräuchten eine aufräumfrau ..

    bevor ihr in ruhe in eine altbauwohnung ziehen könnt, kommt das hier:

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  2. Electric Guitar!

    PS: ich habe ja zunehmend den Eindruck, es gibt hier eine einvernehmliche, aber unausgesprochene Rollenverteilung: seb ist der DJ, ich bin der Zensor – was ist die Aufgabe des 3.?

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