… and it would be my last.

ich bin jetzte eine Selbsthilfegruppe. Ich habe das Buch „heute fange ich wirklich an!“ gekauft. Alleine das war schon lustig. Ich überlegte nämlich, ob ich es als Papier- oder Dateiversion kaufe, kaufte es dann als Papierversion, dümpelte so durch den Donnerstagabend, stornierte es dann und kaufte es als Dateiversion. Schließlich heißt es „heute fange ich wirklich an“ und nicht „ich fange wirklich an, wenn die Post kommt“. Der Kern des Projektes ist, dass man sich einen Plan macht und kontrolliert, ob man ihn einhält. Heute muss ich zum Beispiel zwischen 10:30 und 11:15  an meinem ausgewählten Beispielprojekt arbeiten. Nachdem ich das 9 Wochen gemacht haben werde, werde ich geheilt sein. Mein ausgewähltes Beispielprojekt ist mein DSA-Abenteuer. Das passt ganz gut, weil es in 9 Wochen fertig sein muss – im Gegensatz zu allen anderen Tätigkeiten wie zum Beispiel Praktikumsberichte bewerten. Man muss dann auch sowas ankreuzen wie, ob man mit seiner Konzentration zufrieden war. Gestern Abend hatte ich eine Arbeitseinheit von 20:30 bis 21:15. Ich setzte mich beherzt an den Computer, hatte sogar zuvor meinen Arbeitsplatz ein bisschen aufgeräumt – ein wühliger Schreibtisch ist nämlich einer meiner Prokrastinations-Begünstiger, und arbeitete los. Es dauerte nicht lange, bis unsere Tochter in Tränen im Arbeitszimmer stand. Ihr Bruder (14) habe an ihrem Bettbezug geleckt. Ha! dachte ich, was das Schicksal sich wieder für Schlenker überlegt! Ich arbeiete weiter. Der Bruder kam dann und erklärte, es sei Notwehr gewesen. Ich arbeitete weiter. Aber nun zählte es sich aus, dass ich nicht alleinerziehend bin, denn F. lachte den Konflikt aus der Welt. Alleinerziehend wäre hier auch seltsam, da es ihre Kinder sind. Ich arbeitete weiter. Die Umstände waren übrigens – wie ich nach meiner Arbeitseinheit rekonstruiert bekam -, dass der Bruder einen Bettbezug gewählt hatte, der der Schwester gehört, weil sie in einem Bettbezug schläft, der ihm gehört. Daran war ich Schuld, was ich kurz einwarf, denn es wurmte mich, dass die Schwester davon ausging, das müsse die Mutter gewesen sein. Offenbar wollte sie dem Bruder diesen ihren Bettbezug entwenden und er leckte daran, um ihn zu kontaminieren, so dass ihr Ehrgeiz gebrochen war, ihn für sich zu beanspruchen. Eine Perfidie, die mich irgendwie an den Tojanischen Krieg erinnert, nur umgekehrt. Als die Kinder mit dem gelösten Konflikt wieder abzogen, tapste bald Sohn 1 herunter. Der wurde jedoch von F. abgefangen, so dass ich gar nicht mitbekommen hatte, was er wollte. Wahrscheinlich kuscheln. Oder koscheln. Vielleicht fragte er auch „Wo kann man hier an Bettbezügen lecken?“ Seine neueste Theorie ist auch, dass Voldemort ab und zu zur Tür reinschaut und Socken ahben will. Nun ja. Ich arbeitete weiter. If i can make it so, i can make it everywo, würde ich sagen. Andererseits, habe ich etliches Misstrauen angesammelt über die Jahre. Normalerweise läuft es nämlich so: Ich erfinde eine neue Methode (vgl.: gescheiterte Methoden), die klappt super, wird aber dann doch torpediert – vielleicht weil auf mich geschossen wird – und ich merke, läuft doch nicht, war klar jewesen, und hole mir lieber ein Bier. Die Methode hier wird wohl auch so enden. Ich schiebe übrigens grad eine notwendige Arbeit auf, indem ich mich an mein Projekt gegen die Prokrastination klammere. Luft entweicht nämlich aus meinem Fahrradreifen. Das behob ich durch eine Luftpumpe. Dachte ich, denn danach entwich zwar keine Luft mehr aus dem Reifen, das lag jedoch daran, dass keine Luft mehr drinnen war. Beherzt griff ich zu passendem Werkzeug und schraubte das Hinterrad ab. Das hatte ich zumindest vor, jedoch hing dort so ein Kabel dran, ich nehme an der Nabendynamo oder so. Dann ging ich weg. Ich glaube ich bringe das Fahrrad zum Fahrrademenschen und lasse mir einen unkaputtbaren Schlauch einsetzen. Als prokrastiantionsverhindernd gab ich in einer zu meinem Projekt gehördenen Selbstbefragung übrigens an, ich müsse die richtige Musik auswählen. Music was my first love. Sehr motivierend finde ich diese hier Come and get your love, das liegt aber eher am Tanz von Chris Pratt. Sonst schätze ich auch Harvey Keitel als Mr. Wolf aus Pulp Fiction als ziemlich motivationsfördernd, der hat aber leider keinen Jingle und tanzt nicht.  Mr. Wolf  Man kann sich nicht richtig vorstellen, dass das Laub in Mr. Wolfs Garten im Februar dort noch immer liegt. Superhelden und solche Character schieben ohnehin selten Dinge auf. Ich glaube, die haben auch gar keine Couch. Außer vielleicht Batman: Die Bat-Couch. Irrige Welt, die einem da vorgespielt wird.

Hier noch eine Abschnitt für alle, die nicht wissen, was das sein soll: Ein DSA-Abenteuer. Den Abschnitt lesen wahrscheinlich nur Leute, die es wissen: Ich spiele Das Schwarze Auge. Das ist ein Fantasy-Rollenspiel. Nein, nicht mit selbstgebastelten Kettenhemden. Mit Stift und Papier, deswegen wird es auch Pen&Paper genannt. Wenn ich mir ein Abenteuer ausgedacht habe und dann Spielleiter bin (Meister), läuft es so, dass ich sage: „Ihr kommt in einen Raum, der von flackerndem Fackelschein beleuchtet wird. Nur schemenhaft könnt ihr im Hintergrund stämmige Gestalten erkennen.“ Dann sagen die Spieler (es ist kein Zufall, dass hier die weibliche Form fehlt), oder zumindest einer von denen vielleicht: „Ich sage auf orkisch, Hallo, da seid ihr ja.“ Ich sage dann: „Die wundern sich kurz, knurren und greifen euch an.“ Dann würfeln wir eine halbe Stunde. Cool, oder? Das, was ich jetzt in meinem 9-Wochen-Projekt mache ist, dass ich mir ausdenke, was da so stattfindet, zumindest ein bisschen, denn man muss auch noch ein wenig improvisieren können. Eigentlich ist es wie Unterricht vorbereiten. Leider kann ich hier nicht so viel verraten, denn die „Helden“ können mitlesen. Kommt nicht oft vor, passiert aber.

Jetzt ist es gleich 10:30. Die Arbeit ruft.

 

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14 Kommentare zu „… and it would be my last.

  1. mein lieber, ich mag ja fantasy garn nicht (vllt. musst du das ändern), wald- und wiesenliteratur, aber zum meinem trost schreibst du ja blog, mag ich (mögen tue ich selbst, liken überlasse ich den influencerinnen). was ich noch mochte war das buch ‚was man von hier aus sehen kann‘. eine schöne coming of age geschichte, bei der ich immer wissen wollte, wie sie weitergeht – hast du das rausgesucht oder f.? das buch wurde sogar schon zweimal gelesen…grüße an den kritiker und den dritten im bunde (und an alle heimlichen leser/innen, schreibt ma kommentare! das gehört hier mitlerweile zum konzept).

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  2. Wie geht denn orkisch? Die machen doch nur so Ahhrrrr und greifen in jedem Fall an. Ich war auch mal Meister, war sogar passabel ausgedacht und der Imrovisationsanteil lag so bei 30 %. Ist allerdings noch aus einer Zeit, als Bier noch nicht so schmackhaft war und PAN-Pizzen deutsche Tiefkühlregale eroberten.

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  3. Ich habe noch was zum Thema Schreiben und Vater-Sohn Beziehung.

    Auszug aus der SZ „Kann man die Liebe zum Fußball an den Sohn weitergeben?“:

    Der SV Werder, mein Verein, wäre mir natürlich lieber gewesen als Hertha BSC, aber den hat mein Sohn, obwohl er ihm doch so gutgetan hätte, immer verschmäht wie Rosenkohl, Spinat und Brokkoli. Ich erinnere mich noch allzu gut an meinen ersten Besuch im Weserstadion, ich war neun Jahre alt und sah ein 0:0 gegen den VfL Bochum, aber das war nicht alles. Ich erinnere mich an das Flutlicht, an den Geruch von Rasen und Bratwurst. An die raunende Masse, die mir wie ein einziger Organismus vorkam, zu dessen Teil ich wurde, in dem ich mich regelrecht auflöste. Und doch war es ja mein eigenes Herz, das so laut pochte, bis zum Abpfiff und immer noch im Bus des Reiseunternehmens Rittmeyer, auf der Heimfahrt, durch diese Herbstnacht, die Bundesstraße 51 entlang. Seither liebe ich den SV Werder, ich liebe ihn, wenn ich das so sagen darf, inniger, heftiger, bedingungsloser, als er mich je geliebt hat. Er ist die unglücklichste, glücklichste Liebe meines Lebens. Und diese Liebe ist viel mehr als tolle Schuhe.

    Den ganzen Artikel gibt es hier: http://www.sueddeutsche.de/leben/hertha-bsc-kann-man-die-liebe-zum-fussball-an-den-sohn-weitergeben-1.3858272

    Mich würde interessieren, ob der Schreibstil Gefallen findet? Ich fand es gelungen, bin aber auch ganz schön befangen.

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  4. Dirk Gieselmann war die Edelfeder von 22 Freunde und hatte auch einen tollen morbiden Blog. Gibt’s aber, glaube ich, nicht mehr.
    Wieso bist Du befangen?

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  5. Kenne Gieselmann auch von 11 Freunde. Befangen, da Vater-Sohn und Hertha mich natürlich genauso bewegen und ich das auch gut gefunden hätte, wenn nicht mit solcher Felder verfasst. Ich würde aber nicht warten, bis er 7 Jahre alt ist. Meine Tochter war bei erstmaligem Besuch im Oly halb so alt, ohne verbale Neuigkeiten, die es zu erklären galt.
    Außerhalb Berlins tritt Hertha ja meist nie positiv in Erscheinung, mal was in der SZ zu lesen ist da besonders schön.

    Der folgende Köster-Artikel ist ne ähnliche Kerbe, fällt aber etwas ab. Mit der Überschrift werden wir aber Guntron catchen.

    „Des Wahnsinns fette Beute“

    https://www.11freunde.de/artikel/wenn-die-eigenen-kinder-hertha-fans-werden%20

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  6. http://nachlasszulebzeiten.blogspot.de/2016/07/

    Ich finde den Köster-Text obszön familiär-exibitionistisch und peinlich; den Gieselmann-Text etwas distanzierter, schön, aber viel zu sentimental und bei beiden ist mir wirklich nicht klar, wie man allen Ernstes die eigenen UNSCHULDIGEN Kinder absichtsvoll mit einem krank und dumm, zumindest unglücklich machenden Virus infizieren will, nur damit man mit ihnen etwas gemeinsam weiterhin haben wird.

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  7. @ Scha Schon klar, ich weiß was du meinst, aber ich gehe mit den Kindern ja eben nicht ins Theater, nachher finden die das gut, sind infiziert und schwups weg die Unschuld und Dramaturgen.

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  8. Fußball wird da enden, wo Olympia schon ist – interessiert sich keine Sau mehr für – Sarajevo ’84 hab ich noch geguckt, Winterolympiade. Russland 2018 werde ich nicht mehr gucken, Fußball-WM.

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