Die Grauen Herren vs. Voldemort

„Lucius Malfoy – the evil twin of Legolas“ hieß mal eine studi-vz Grupppe, in der ich war. Ich überlege, ob es gut oder schlecht ist für mein Schreib-Chi, dass draußen die Welt saust. Das tut sie, weil ich im Zug nach Frankfurt sitze. Dass das Internet stockt, ist eher nicht gut. Heute durfte ich auf eine Woche Psycho-Erledigungs-Training zurückblicken. Meine fünf geplanten Arbeitseinsätze habe ich alle gemacht, manche nicht genau zu dem avisierten Zeitpunkt, aber insgesamt habe ich drei Stunden in der Woche an meinem Masterprojekt gearbeitet. Das klingt mäßig, mehr wollte ich aber auch nicht, schließlich muss ich das auf neun Wochen strecken. Die nächste Einheit bringt Zeitrestriktionen ins Spiel. Hatte ich aber eh, denn das hat mich auch schon durch die Examaensarbeit gebracht: nicht nur eine Mindest- sondern auch eine Höchstgrenze festlegen.

Nun war ich eine Woche lang von dem guten Gefühl ummantelt, dass ich schaffe, was ich mir vornehme. Kann ich nur empfehlen. Mal sehen, ob sich das ausbreitet. Bald habe ich einen Wochenplan für Korrekturen, für Gartenarbeit, für Haus-Wurschtelungen, für Essen, für freundliche Worte gegenüber den Kindern, für Liebesworte und – Dienste. Das wird toll. Dann verwandle ich mich langsam in eine Tabelle und die Grauen Herren klatschen in die Hände. Kennt ihr doch, oder? Die von Momo. Wie Voldemort, nur mit Nase. Voldemort hat noch immer keine Socken von meinem Sohn gekriegt, wir haben gemutmaßt, dass es auch eine Ausrede von ihm war, und er einfach so bei ihm rumhängen wollte, weil es das einzige Zimmer ist, in dem nachts Licht brennt. Zur Rede gestellt sagte Voldemort ja, er bräuchte Socken, es fiel ihm wohl nichts Anderes ein. Jetzt Göttingen vor dem Fenster. Dort habe ich studiert. Noch immer ein magischer Ort. Sie haben auch eine Magiergilde an den Bahnhof gebaut. Sie sieht aus, als wäre sie mal von einem interstellaren Bleistiftanspitzer angegriffen worden.

Meine damalige Freundin hatte ein Cannondale-Fahrrad, das sie manchmal in dem damals entstandenen Fahrradparkhaus parkte. Mich amüsierte das, denn ich behandelte meine Fahrräder so, dass der Sachwert immer ungefähr 1 Euro betrug. Das ist aber auch die Übernachtungsgebühr. Jetzt parkt meines auch gerade im Fahrradparkhaus am Bahnhof. Ich behandle es zwar schlecht, es war aber teuer genug, dass es noch nicht bei einem Euro angekommen ist. Ich glaube, es ist der Protest gegen die Vergänglichkeit, dass ich Dinge nicht so recht würdige. Ich hänge nicht mein Herz an eine Puppe aus Stofffetzen. Heute Abend bin ich auf einer Feier bei einem Göttinger Kommilitonen, der es raushat. Eine Effizienzmaschine. Aber seinen Job findet er auch scheiße. Irgendwas mit Bank. Das ist ja nach einem Politikwissenschafts- und Publizistikstudium auch nicht das Wahre. Auf Leute treffen, die man nicht kennt, ist ja fast so wie beim Abi-Treffen. Man wäre ja gerne der, der es am meisten raushat. Oder wenigstens nicht am wenigsten. Der sexieste Beruf, den Männer haben können, ist Journalist. Oder war das der von den Frauen, denn der selbe war es nicht. Es sind Urologen da. Ist Lehrer noch ein bisschen besser als Urologe? Wer will mit dem schon reden? Man kann aber auch das Spiel Mein Kind ist besser als dein Kind (fil) spielen, sind ja alle um die 40. Ein SPD-Mitglied ist auch da. Hihi. Jetzt habe ich was geschrieben, was wie SPD-Mitleid aussah. Könnte ein neues Wort des Jahres werden. Gestern traute ich mich in den anderen Ju-Jutso-Verein. Vorher sprach ich imt meinem Sohn und sagte, dass ich ein bisschen Angst habe, weil ich da ja keinen kenne, aber trotzdem hingehe. „Die werden mich schon nicht hauen“, sagte ich. „Oder halt, die werden mich doch hauen, das sollen sie ja.“ Meine gebraucht gekaufte Ju-Jutso-Hose ist zu weit. Da kann die Sportart ja so schlecht nicht sein.

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3 Kommentare zu „Die Grauen Herren vs. Voldemort

  1. Der Urologe wird dich fragen, ob du schon zur Vorsorge warst? Außerdem kennen die sich ziemlich gut aus mit Prokrastinierern, glaube ich.
    Ansonsten fragst du einfach solange rum, bis du zu hören bekommst, dass du es drauf hast. Den Part mit dem Nicht-Draufhaben, hat ja schon der mit dem Mitleid inne.

    Gefällt 1 Person

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