Wieder der Bär

Medienverbotswoche vorbei. Schon komisch, aber der Abend faltet sich doch nett auf in seiner Fläche. Es gibt ein Gedicht von Volker Kunert (glaub ich), in der er das Ende der DDR bedichtet und deutlich macht, dass man manchmal etwas vermisst, was man gar nicht hatte. Jetzt ist der Mensch wieder offiziell dem Menschen ein Wolf, herzlichen Glückwunsch. Die reichtsten 45 Hauhalte haben so viel Geld, wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung: unjerecht. Da will man doch manchmal lieber die kleinste Chance sehen, dass aus der Gesellschaft, in der man lebt, was werden könnte, ohne dass man Laternenmaste zweckentfremden müsste. Ich dachte in der Woche häufiger mal: Jetzt so das zweite Dorf in Civilization bauen oder aber die erste Stufe 6-Kreatur in Heroes feiern. Mache ich aber jetzt auch nicht. Aber jetzt könnte ich. Naja gut, es gilt noch mein Verbot für Flimmern und Rauschen vor 20:00. Aber dann könnte ich. Naja gut, da gehe ich zum Fußball. Aber dann könnte ich… Apropos Fußball: Kohltour war schön. Wenn man tagsüber trinkt, ist es besser für den nächsten Morgen. Highlight: Einer sagte, er habe ein Tochterin. Allerdings konnte ich um 21:20 nicht mehr weitertrinken und bin dann auch nach Hause gefahren. Situationen, die man nur mit Alkohol aushält: nach der Kohltour beim Essen.

Mein Masterplan läuft noch. Ich habe vor 4 Wochen ja bestimmte Tage und Zeiten ausgesucht, zu denen ich mein nächstes Rollenspiel-Abenteuer ausdenke und aufschreibe und es läuft. Es gibt sogar schon Synergie-Effekte, denn eine Klausur habe ich auch schon korrigiert, obwohl sie grad erst geschrieben wurde. Das kann aber auch am Medienverbot gelegen haben. Vielleicht sollte ich einen Medientag ausrufen. Und sonst Medienverbot haben. Naja, hat sich auch schon mal jemand totgeplant. Kennt ihr den Tanzbären von Kleist? Also eigentlich heißt die Geschichte „Marionettentheater“. Da geht es um die Anmut des Tanzbären, die darin besteht, dass er nichts über die Anmut weiß. Wäre ihm vielleicht auch peinlich. Geht auch bei Menschen, wenn sie tolle Bewegungen oder Gesten machen, über die man dann entzückt ist. Wenn sie das mit Absicht machen wollen, wird es nichts. Oder muss zumindest mit sehr großer Kunstfertgikeit antrainiert werden, damit es so aussieht, als wäre es nicht mit großer Kunstfertigkeit antrainiert, sondern ganz natürlich. Bei den Eisläuferinnen denkt man dann: Ach, jetzt hatte sie die spontane Idee, zu springen und sich in der Luft zu drehen. Is ja auch mal geil. Bei mir ist es jetzt so, dass ich mit einem Power-Gerüst an Regeln und Verboten wieder da hin will, wo ich vielleicht früher mal war: Ganz natürlich irgendwas lesen oder auch schreiben oder Lego-Landschaften aufbauen und bedauern, dass ich ins Bett muss, da ich gerne noch weiterarbeiten würde. Dann kamen die Fernseher, die Frauen und die von den Äpfeln gereichten Schlangen und ich muss meinen Weg mühsam zurückkämpfen dahin, wo man nicht kämpfen muss. Wenn ich da bin, läuft das so: Ach, jetzt mal ein bisschen korrigieren wäre cool, ich bin ja so gespannt, was die Schüler*innen so geschrieben haben. Und ich sage: Was, Legends of the Seeker sehen, nö, ich fahre lieber zum See und lese das Buch. Irgendwann komme ich da hin. Ich werde wieder Bär.

Eigentlich sind es die von den Schlangen gereichten Äpfel, aber ich lass das mal so. Der Text weiß mehr als sein Autor (Heiner Müöller).

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Ein Kommentar zu „Wieder der Bär

  1. Derjenige, der mit dem inneren Bär tanzt, du willst uns doch keinen Wolf aufbinden?

    Wieder der Bär zu sein hat auch den Vorteil, dass man an den fetten Honigpötten sitzt.

    Es lohnt sich also dafür zu Kämpfen!

    Das neue Gleichnis für Abfeiern der ersten Ausbaustufe der Hereosv6-Kreatur ist der mitternächtliche Chip-in.

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