Hirsche sind auch nicht besser als Flüchtlinge

IMG_20180329_120524.jpgSchwarzwald. Über allen Gipfeln ist Ruh. Eine Katze springt auf meinem Laptop rum, ein Specht macht knatternde Geräusche und der Hirsch versucht zu verhindern, dass seine Rehe etwas beim Gefüttertwerden abbekommen. Oder sind das dann Hirschkühe? Jahrelange Naturbeobachtungen haben ergeben, dass Rehe gar nicht die Frauen vom Hirsch sind und Enten nicht die Frauen vom Schwan. Beim Betrachten der Reh-Hirsch-Hirschkuh-Combo fiel mir Feudalismus ein. Der Hirsch herrscht über die Herde und ab und zu nickt er mit dem Kopf als Zeichen dafür, dass er durchaus bereit ist, sein Geweih auch gegen Feinde einzusetzen, falls welche kommen sollten, die schwächer sind als er. Was man sich übrigens kaum vorstellen kann, aber der Hirsch ist auch noch klein. Anders als beim Feudalismus müssen die Reh-Hirschkühe aber immerhin nicht für den Feudalherren arbeiten. Mit dem lex (primae) noctis erschöpft sich ihre Aufgabe. Dieses Recht war im Mittelalter keineswegs so verbreitet, wie man so denkt, aber es ist im Unterricht immer ein schönes Beispiel dafür, wie krass Feudalismus ist. Im Übrigen finde ich, dass sie Natur ein bisschen versagt: Seit Jahrtausenden röhren die Hirsche ihren Darwin in die Welt und immer nur der Stärkste darf an die Rehe ran. Oder die Hirschkühe, und was haben sie zustande gebracht? Sie sind erheblich kleiner geworden, als sie früher waren. Gratuliere! Das hätte ein demokratisches Gemeinwesen auch noch hinbekommen. Ich wäre noch lieber Vegetarier, wenn Tiere im Allgemeinen  nicht solche Faschos wären. In „Unsere Erde 2“ prügeln sich zwei Giraffenbullen, indem sie immer ihre Hälse aneinanderschmeißen und manchmal dabei mit ihren Hörnern rumpieken. Es ist ein bisschen so wie das kanadische Holzfällerspiel, bei dem man auf Baumstämmen rumturnt und versucht, den Gegner vom Baumstamm zu stoßen. Bei beiden Spielen hat der im Prinzip verloren, der umfällt.

Diejenigen, die jetzt Biologie studiert haben oder gerne hätten, denken jetzt wieder: Ja, so ist das. An den Tieren sehen wir, wie es sein muss. Die Männer konkurrieren und die Frauen fügen sich. Denen rufe ich entgegen: Nein. Wenn ihr denkt wie Arschlöcher, müsst ihr dazu stehen und nicht klägliche would-be-Natur-Argumente anbringen. Da fallen mir auch die Pinguine aus unsere Erde 2 ein: Da leben eine Millionen Pinguine auf so einer Vulkaninsel und wenn sie Kinder kriegen, wechseln sie sich schön ab damit, wer beim Kind bleibt. Der oder die andere hoppt ins Wasser und schwimmt mitunter 30 Kilometer, um frischen Fisch herbeizuholen. Dann wird es etwas eklig, weil der Pinguin dann den Fisch hochwürgt und dem Kinde gibt. Wir lernen also aus der Natur: Wir müssen das Essen vorkauen und unseren Kindern das dann mega-ekligin den Schlund speien!

In so einem Urlaub wie hier drängt sich ja innere Einkehr auf. Ich hätte auch nichts gegen äußere Einkehr, habe aber noch keine Kneipe entdeckt. Meine innere Einkehr lässt mich darüber nachsinnen, meine Parteimitgliedschaft zu kündigen und kein Fußball mehr zu spielen. Das eine kann ich nicht und das andere will ich nicht so richtig. Ich sehe mich ja eher so als unabhängiger Kommentator des politischen Geschehens, mitunter auch als Nestbeschmutzer. Wenn ich allerdings kein Nest mehr habe, was soll ich dann beschmutzen? Ich vermute, wenn ich Leute mit Kommentaren belange wir ein Terrier, die mit mir gar nichts zu tun haben, verpuffe ich. Außerdem ist es noch schwieriger, ein Publikum zu organisieren als Parteifreund*innen herbeizuschaffen.

F. machte mich mit Faber Es wird ganz groß bekannt und seitdem habe ich noch stärker den Eindruck, ich sollte mehr Geniekult um micht selbst betreiben und diesen 0815-Job sein lassen. Und Tabus brechen, lesen, wachen, lange Briefe schreiben. Auch dazu passt eine Parteimitgleidschaft eigentlich nicht.

Dafür müsste ich aber überhaupt mal viel produktiver werden. Und damit wären wir wieder beim Ausgangsproblem hier. Es gibt ja die Theorie, dass wir alle über sieben Ecken verwandt sind. Ich glaube das funktioniert auch mit Assoziationen, also man kommt nach sieben Schritten immer spätestens zu den drei Themen, die einen so bewegen. Beispiel: Drübern auf einem Berg steht eine Burg, wo wir schon ein paar Mal Ostereier gesucht haben. Ich war immer so mittellaunig dabei, weil ich versuche, Aktivitäten zu vermeiden. Oh, das braucht keine fünf Schritte mehr. Anderes Beispiel: 1. Sohn 1 ist mit dem Trecker rumgefahren worden vom Bauern. 2. Der Bauer weiß die ganze Zeit, was zu tun ist. 3. Er hat auch keinen Chef. 4. Bauer müsste man sein. 5. Oder wenigstens irgendwas, wo man das Gefühl hat, das ist es jetzt. 6. Ich muss kündigen oder wenigstens reduzieren bis zum Existenzminimum. 7. Ich muss Künstler sein. Gut, das hätte man jetzt auch in drei Schritten geschafft.

In die Politik sollte ich nicht gehen, ich werde so wankelmütig.  Ich beobachte mich auch dabei, dass ich Negativmeldungen über Leute mit Flucht- oder Migrationsgrund immer mehr den Flüchtlignen und Migranten anlaste und nicht mehr, wie früher, der Presse. Diese Einstellungen teilt wahrscheinlich auch der urdeutsche Hirsch, so wie er guckt. Flüchtling

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s