White Walkers machen hygge

heute habe ich einen Smalltalk mit der Putzfrau hingekriegt, der mich fast wie ein normaler Mensch wirken ließ. Sohn 1 hatte sich nämlich vor geraumer Zeit ein Spielzeug-Putzwagen gewünscht und natürlich bekommen (welche Eltern würden da nicht zuschlagen) und der stand heute hier rum. Da verwies ich darauf, dass sie den nutzen könne, wenn sie die Herausforderung schätzt. Jetzt muss ich allerdings schon wieder auf Toilette und traue mich nicht so richtig.

Ich erwog, 3´er Schab! und Seb hier Moderatorenrecht zu geben, damit sie statt ihrer stattlichen Kommentarflut auch selbst mal was schreiben können, weiß aber nicht so richtig, wie das geht. Ich finde es aber heraus, wenn ihr wollt. Als meine Kommentarglocke Sturm läutete, war ich ja in Göttingen, in der Stadt, in der ich lernte wild zu leben. Normalerweise komme ich dann immer geflasht zurück und will mein Leben sehr ändern. Das Leben, das ich herbeihadere, wäre ja auch für meine Kinder (und für F.) ganz nützlich. Es beinhaltet zum Beispiel, dass wir einen schönen Garten haben, wo man so hygge-mäßig aus einer rustikal-hölzernen Schale Wildkräuter sammeln geht. Danach würde man sich in Norwegerpullis einmummeln und die Wildkräuter mit einem Schwedenbrötli-Auflauf verspeisen und sich auf eine dänische Johannisbeer-Creme als Nachtisch freuen. Vor dem Kamin. Als ich zurückkam, herrschten allerdings 100 Grad und nichts von alledem wirkte irgendwie attraktiv. Ich stelle mir gerade vor, wie man es schafft, sein Leben mit Wucht zu ändern, so, wie man es schon immer wollte, es entpuppt sich aber als voll falsch und überhaupt nicht nützlich für die Kinder oder sonstwen. In meinem Fall könnte es sein, dass ich immer alles auf Kante lege und gleich einsortiere, dass ich einen Sixpack bekäme und mich lästig-lüsternen Herbeirufungen von Frauen widersetzen müssten, die ja auch F. unter Druck setzen würden. Die Tochter würde sofort magersüchtig werden, weil sie dächte, „ah so muss man das machen.“ Den blog würde ich einstellen, da er ja seine Daseinsberechtigung verloren hätte, was bedeuten würde, dass es zu massiven Entfremdungen zwischen 3´er, Seb, scha, mir und Jennyfrankkoppenhagen käme. Mir würde alles gelingen – wer mag sowas schon? Ich hätte einen Creative-Beruf in einer Werbeagentur in Köln, wäre also nie zu Hause. Zudem würde ich eine Werbekampagne für wasweißich, den BDS machen müssen. Meine Kinder würden am Rad drehen, weil ich kaum da bin. Humor wäre auch nicht mehr, da er ja die Waffe der Unterdrückten ist. Ich würde mich ja nicht mehr unterdrücken, sondern Sollen und Wollen würden wie Ginger Rogers und Fred Astaire (steckt das wirklich AStA drin?) einen Tanz nach dem anderen aufführen, nur würde es leider nicht mal regnen. Naja, F. würde sagen, es sei jetzt gut, man würde merken, worauf ich hinauswill…

Ich ändere mein Leben eh. Ich sehe grad keine Filme mehr oder Filmchen oder Serien, mache fast oft Sport, esse kaum noch (Ich weiß auch nicht, er isst kaum noch…) und wäre fast mit F. zu Rigoletto gegangen. Aber da waren dann doch die Karten alle.

Außerdem habe ich eine tolle App entdeckt, die ich jetzt hier noch schnell influencen will. Sie heißt habitca und das Icon sieht aus wie eine Schweizer Bank. Dahinter verbirgt sich aber ein raffiniertes Todo-Spiel. Ich sage ja den Schülerinnen und Schülern gerne sowas wie, wir machen jetzt mal ein Diktat-Spiel, weil sei gleich viel motivierter an die Sache rangehen und erst nachher merken, dass es halt ein Diktat war. Nach dieser bahnbrechenden Pädagogik handelt auch meine App. Man darf nämlich ein Fantasy-Wesen ausrüsten, das ein bisschen aussieht wie ein Pixel-Hobbit. Wenn man nämlich Dinge erledigt, die man erledigen will, bekommt man Punkte und kann dem Pixel-Hobbit Stuff kaufen. Wenn nicht der Akku schon wieder alle ist.

Das wird mein Durchbruch. Irgendwann macht Göttingen mir gar keine Angst mehr und ich denke nicht mehr those were the days my friend, wenn ich da hinfahre, sondern ich denke eher so darüber wie Jon Snow über Winterfell denkt: Ok, ich bin da aus irgendwelchen Gründen gewesen, aber das Wahre war das jetzt auch nicht. Jetzt ist besser. Ihr werdet sehen. Und wenn die White Walker kommen, dann werden die kaum widerstehen können, dann öffne ich denen schön die Tore und wenn sie die Wildkräuter in der rustikal-hölzernen Schale sehen und das dänische Johannisbeergebäck, setzten sie sich einfach mit an den Kamin und erzählen mit von früher, denn einen gewissen Lebensveränderungsdruck, den spüren die schon auch. Season 8 könnt ihr aber dann vergessen.

Die White Walker Puppe kann man wohl bei etsy kaufen: Nerdknitting und auch viele andere.

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5 Kommentare zu „White Walkers machen hygge

  1. +++ für dreimal in der S-Bahn laut gelacht und innerlich applaudiert, fast ein weiteres + jenseits der Skala, aber der Mittelteil hätte gut daran getan, kurz nach F.s Hinweis F.s Hinweis zu befolgen …

    So sehen also Deine Sehnsüchte aus!

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  2. Mehr geht nicht „dass ich immer alles auf Kante lege…“
    Wie kann das falsch sein?

    Die Besorgnis der Entfremdung finde ich super.

    #noadmin

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