Vatertag ist Arschgeigen-Aufheul-Tag

Vatertag ist leider das Letzte. Der Mob und das Pack treffen sich und ziehen gröhlend durch die Gegend. Manche sagen jetzt, moment, ich bin doch der Mob, und ich tue an diesem Tag nichts dergleichen. Klar, kann sein. Ich möchte keine Vorurteile dem Mob gegenüber verbreiten. Einige meiner besten Freunde gehören zum Mob. Im Prinzip zeichnet sich der Mob aber durch solches Tun aus, schauste mal in die Mitgliederordnung.

Bei einigen besteht der Unterschied zu sonstigen Tagen darin, dass Dinge, die nach 22 Uhr auf dem Programm stehen, an Tagen wie diesen schon um 14 Uhr geschehen. Wir stellen uns eine Abteilung sogenannter Väter am heutigen Tag vor, die sich mit einem Bollerwagen bestückt, durch´s Grün fortbewegen. An ihnen kommt eine Joggerin im Alter zwischen 13 und 45 vorbei. Habt ihr´s? Seht ihr, was ich meine? Je nach thematischer Mobausrichtung können auch zwei Afrikaner vorbeikommen oder ein homosexuelles Pärchen. Oder jemand mit Kippa, wenn es sich um den Prenzlauer Berg handelt. Selbst das Problem, das Kopftuchträgerinnen mit sich rumtragen, wird durch ein beherztes Anpöbeln eigentlich nicht gelöst.

Wie bei „the purge“ – ein Film, der beinhaltet, dass die Gesetze an einem Tag im Jahr ausgesetzt werden und alle machen können, was sie wollen. Bei den Wenigsten besteht das darin, auf der Couch zu sitzen und Serien zu schauen. Stattdessen zeigt Normalität ihr hässliches Gesicht.

Eben wie am Vatertag. Mann betrinkt sich, die Hemmungen, die einem die „grün-links-Versifften“ eingemimpft haben, fallen von einem ab wie die Flügel des Schmetterlings. Mann kriecht in einen Kokon zurück und wird zum Wurm (Follow the worms, Pink Floyd). Ein bisschen auch wie „Jurassic Park“. Man dachte sich, die Alte Männlichkeit, die hat man schön überwunden, und zack, latscht einem ein Tyrannosaurus vor den Fiat 500.

So, und warum schreibe ich das? Wäre ich auch gerne so, verbiete mir das aber? Kann sein, der Film „falling down“ mit Michael Douglas hat auf mich zum Beispiel immer eine gewisse Anziehungskraft gehabt. Da rastet ein eigentlich normaler Familienvater aus und beschießt zum Beispiel Bauarbeiter mit einem Raktenwerfer, weil er ganz richtig die Baustelle für den Stau verantwortlich macht, in dem er steht. Er würde lieber nicht in der Baustelle stehen. Und es ist Sommer und echt heiß. Und Nietzsche sagt ja: „Wenn du in einer Baustelle stehst und sehr genervt bist, hau einfach alle um. Alles andere ist Schwäche.“ (Nietzsche in: „Wer hat denn angefangen?“, Weimar 2018, S. 666). Aber ich dachte, ich hätte bei Brecht gelernt,  dass die Waffe in den Händen des Unterdrückten etwas anderes ist als die Waffe in den Händen des Unterdrückers. Gut, es ist ein Problem, alle denken immer, sie seien die Unterdrückten. Ich dachte nur, ich hätte es bei Brecht gelernt, weil Google mir das nicht bestätigt. Ich würde vielleicht auf Sexisten, Nazis und Islamisten losgehen am heutigen Tag. Oder auf Leute, die mir sonst auf den Geist gehen. Gestern schrie ich zum Beispiel meine Kinder an. Einmal, weil sie Sohn1 erziehen wollten und das andere Mal, weil sie eine Schwipschwup nicht in den Kühlschrank gestellt hatten, obwohl ich Sohn 1 versprochen hatte, dass er eine gekühlte Schwipschwup bekommt. Genau genommen schrie ich also meine Stiefkinder an. Gut, ok, gebt mir keinen Raketenwerfer, ich bin vielleicht manchmal das Bein des Tyrannos und nicht der Fiat 500. Ich werde vielleicht aus Protest heute keinen Alkohol trinken. Oder das Bad putzen. Allerdings haben wir ja eine Putzfrau, wie Stammleserinnen wissen.

Warum gehen eigentlich Mütter am Muttertag niemanden besoffen klatschen?

Ich hab hier noch das Lied zum Feiertag: Genderwahn. Verschwulung olé olé olé

Die Arschgeigen dieser Welt (einige sind zu Beginn des Videos zu sehen, der Mann mit dem Anti-Orient-Interesse ist der Autor dieses Katzenbuchs) heulen auf, aber sie verlieren. Schaun mer ma.

Also, viel Freude am Arschgeigen-Aufheul-Tag. Trefft die Faschisten, wenn ihr sie schlagt!

PS: Beim Frühstück sagte ich heute, ok, ich habe euch ja gestern zwei Mal angeschrien, und ich fand es auch ganz gut und ihr dachtet bestimmt, endlich setzt er sich mal durch, ich hatte aber dennoch den Eindruck, dass es euch nicht so gefallen hat. Ich würde dann das nächste Mal einfach schreien, wenn keiner da ist. Sohn 2 hatte dann noch einen Vorschlag: Oder du nimmst das Schreien einfach auf und wir können es uns dann bei Bedarf anhören.

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2 Kommentare zu „Vatertag ist Arschgeigen-Aufheul-Tag

  1. +++++ Ganz anderer Stil; ganz großes Kino! Es gibt ja seit Neuestem eine eigene Textsorte: „Rant“ (in den 80ern gab es schon „100 Zeilen Hass“). Seit heute gibt es den eleganten Anti-Rant (auch wenn es noch keine 100 Zeilen Liebe sind). Kein einziger Schlampigkeitsfehler, übrigens.

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  2. Letztes Jahr Vatertag war ich mit der Kleinsten im Krankenhaus während „der Mob“ bei mir grillte.
    Dieses Jahr hatten die Kinder mal nüscht, dafür lag ich im Bett, während ein Mob an Freundinnen meiner Frau im Garten trank, das Leben genoss und da sie sich mit „Das ist gar kein Gas-/Elektrogrill“ so anstellten, ich mein Bett verließ und den Grillmeister gab.

    Nächstes Jahr will ich umherziehen ohne über andere herzuziehen!

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